Time passes slowly
“So weit ist es nun schon gekommen, die Frauen beherrschen uns mittlerweile in allem.” – Kurze Sprachpause – “Na wenigstens darf ich noch mein Bierchen trinken.”
Manfred* ist von kräftiger Natur. Seine ungepflegten Haare quillen unter der roten Billig-Cap irgendeiner Brauerei hervor, die rote Nase tut ihr übriges. Das Gesicht vom Alkohol gezeichnet, wie mir auffällt. In der Hand hält er einen halben Liter eines mir unbekannten Bieres.
Manni ist nur Beifahrer, natürlich, er darf ja heute trinken. Seine Frau fährt, ruhig und besonnen, verkneift sich wohl ihr überdrüssiges Kommentar. Zur Arbeit müsse Sie, einer muss ja schließlich das Geld nach Hause bringen.
Manfred würde mich ja bis nach Holland bringen, aber er müsse die 5 km gleich wieder zurücklatschen, quer durch den Busch. Was er da will, frage ich mich, aber ich verkneife mir die Frage. Wohlmöglich liegen im Jutebeutel noch ein paar Humpen und eine Pulle Schluck bereit – ist ja schließlich ein langer Weg, so zu Fuß. Kann ich froh sein, das seine Frau eben rechts ran gefahren ist, lallt er vom Beifahrersitz hinter zur Rückbank.
Nachdem er sich also kurz über die Emanzipation, seine Frau, sein Bier und den Busch ausgelassen hat, widmet Manfred sich seinem Tramper auf der Rückbank. Was ich denn bei den Käsköppen studieren würde. -Bildungswissenschaften. “Achso, Psychologie sozusagen.”
Im selbigen Moment biegen wir auf den Parkplatz zum Lidl ein, Ende der Etappe, Fahrzeugwechsel, raus aus dem Vehikel irgendwelcher Wildfremden, dem Kurztripp in eine andere Dimension, ein anderes Leben. Nennt es wie ihr wollt.
Ich bin einzig froh ihm nun nicht ewig erklärt haben zu müssen, das Bildungswissenschaften nicht
Psychologie ist. Hätte er wohlmöglich sowieso nicht mehr verstanden.
– Lift von Schüttorf nach Bad Bentheim, Mai 2009. *Name geändert




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