Biel-Stuttgart-Biel, 14./15. Juni 08

June 26th, 2008

Während der Arbeit am Freitagabend erfahre ich, dass ich den Samstag frei bekomme. Also schnell eine SMS an meine Stuttgarter Freunde, um 01 Uhr nachts nach Hause, Strassenatlas, Karton und Filzstift zusammen suchen und schnell ins Bett.

Samstag, 10.30 Uhr: Ich stehe an der Bieler Hauptstrasse. Alle Autos in Richtung Zürich/Basel müssen hier vorbei. Es herrscht viel Verkehr, und schnell werde ich mitgenommen für ca. 1km an den Stadtrand, bis kurz vor der Autobahnauffahrt (und bekomme beinahe einen Heiratsantrag - steige schnell aus). Nach einer Minute werde ich mitgenommen von einem Reggaesänger und seinem Gitarristen, die gerade auf dem Weg ins Studio sind. Sie fahren mit auf der Autobahn auf eine Tankstelle und erzählen mir eine halbe Stunde lang, wie gefährlich das Trampen für eine Frau, und erst noch alleine!, doch ist.
Auf der Tankstelle wimmelt es regelrecht von Holländern!! Alles ist orange, die Tankstelle total verstopft von Autos mit Fussballfans. So habe ich mehr als genug Zeit, alle Autos abzuchecken, und finde bald eine Frau in ihrem BMW mit einem Stuttgarter-Vorortskennzeichen. Misstrauisch öffnet sie ihr Fenster einen Spaltbreit. Fragt, ob ich viel Gepäck dabei habe, und als ich verneine und auf meinen kleinen Rucksack zeige, findet sie auf die Schnelle keine andere Ausrede und sagt “also gut”. Sie kommt gerade von ihrem Zweithaus in Frankreich und muss schnell heim, weil sie da Tennis spielt. Thema Radarfallen: Ach ja, kürzlich hatte sie gerade eine Busse von 2′500 Euro (!!). Dann geht es ins Politische: All die Linken schreien immer “Zweiklassenmedizin”. Dabei, sagt sie, sei es halt nun mal so: Die einen können sich ein gutes Auto leisten, die andern nicht. Die einen können sich gute Medizin leisten, die andern nicht. -Ich überlege, ob ich aussteigen soll, aber dann schweigen wir uns an bis zur nächsten Tankstelle, wo ich sowieso rausmuss, weil sie nicht bis Stuttgart fährt. Netterweise macht sie mich darauf aufmerksam, dass das einzige Auto auf der Tankstelle ein Heilbronner Kennzeichen habe und durch Stuttgart fahre. Ich springe raus und zu besagtem Auto, einige Sekunden später sitze ich schon drin (wieder ein BMW). Da sie nach Heilbronn weiterfahren, lassen sie mich in einem Vorort von Stuttgart raus. Eine Passantin klärt mich auf, dass ich den Bus XY, der in 20 Minuten fahre, bis zur Haltestelle ZX nehmen müsse, dort den Bus VWX bis RST und so weiter. Eine weitere Passantin läuft dazu, rettet mich, nimmt mich mit nach Hause, kocht mir ein Essen mit Fleisch und Salat und allem, und schickt ihre Tochter, sie solle mich in die Stadt reinfahren. So werde ich vor der Haustür meiner Freunde abgeladen, 4-einhalb Stunden nach meiner Abfahrt in Biel. Mit dem Zug hätte es 4 Stunden gedauert und 72€ gekostet..

Sonntag, 14.15 Uhr. Mein Gastgeber fährt mich bis kurz vor die Auffahrt zum Autobahnzubringer. Mit Schild “A 81″, auf dessen Rückseite “Appenzeller Bier” prangt, stehe ich 10 Minuten, da es sehr wenig Verkehr hat. Dann nehmen mich eine Flugbegleiterin, die gerade von New York kommt, und ihr Mann, der kürzlich in Appenzell (ich zeige ihm meine Schildrückseite) war, mit bis zur ersten Raste. Sie lieben die Schweiz und wären vor zwei Monaten beinahe nach Bern gezogen. Auf der Raststätte versuche ich es mit ansprechen. Die Fahrer von 4 Autos mit Zürcher (=Schweizer) Kennzeichen sind alles Deutsche und fahren nicht nach Zürich, was mich etwas verwirrt. Nach weiteren erfolglosen Versuchen stelle ich mich mit Schild “CH” vor die Auffahrt und werde prompt von zwei Hannoveranern mitgenommen bis kurz nach Konstanz. Dort gibt es keine Tankstelle, so dass ich in ihrem Kaff mit von der Autobahn runterfahren muss. Was sich aber nicht als schlecht erweist: In den nächsten 3 Minuten fahren 3 Autos vorbei, alle würden mich mitnehmen, aber erst das dritte fährt in Richtung Zürich. Ein Mercedes, in dem ich mich kaum getraue abzusitzen. Das Ehepaar vorne ist suuupernett und erzählt begeistert von ihren Reisen mit dem Motorrad, als sie noch jung waren, und hach!, wie sie damals in Südfrankreich ein Hotel gesucht hätten… Kurz nach Winterthur (vor Zürich) lassen sie mich auf einer Mini-Tankstelle raus. Ziemlich direkt kann ich vom Mercedes in ein nur noch halb fahrtaugliches Autö-chen zu einem Punker umsteigen. Er wohnt in Bern in einer Wagenburg und ist ziemlich schweigsam. Nach Olten steige ich an einer Raststätte aus, stelle mich mit Schild “Biel” hin und werde wiederum nach nur wenigen Sekunden mitgenommen von einem Berufsmusiker. Er fährt mich zu meinem Fahrrad, und 5 Minuten später bin ich daheim! Vier Stunden, nachdem ich in Stuttgart losgefahren bin.

Fazit: 6 Fahrer, 4 Fahrerinnen. Bauingenieur, Flugbegleiterin der Lufthansa, Fitnesstrainer in einem 4-einhalb-Sterne Hotel, Hausdame einer Altersresidenz, Tennisspielerin, Reggaesänger, Saxophonist, Wirtschaftspädagoge, Lehrerin, Schlosser, DJ), je 4 Stunden; Ausgaben: 0.-




2 Responses to “Biel-Stuttgart-Biel, 14./15. Juni 08”

  1.   Sibe on June 28, 2008 5:26 pm

    sii, du machsch mer muet s doch ds probiere…

  2.   rupeli on June 29, 2008 1:50 pm

    nid schlächt! bi stouz uf di!

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