Vorsicht vor der Tramperin
Einige Male Biel-Bern und Bern-Biel zu dritt und zu zweit, sonst nichts aufregendes. Immerhin das erste Mal in Dunkelheit, aber zu zweit. Klappte ganz gut..
Gotha-Biel, 4.8.
Gotha - A4/A5: Geplatzte Reifen
Um 10 Uhr morgens stelle ich mich mitten im Wald, ausserhalb des Festivalgeländes, an die Landstrasse. Nachdem in 10 Minuten bloss 3 Autos vorbeifahren und mich nicht mitnehmen, fällt mir ein dass es besser wäre, mein A4-Schild wegzulegen. Ein Lift auf die Hauptstrasse würde auch reichen. Gesagt, getan, und das nächste Auto nimmt mich den einen Kilometer mit. An der Haupstrasse hält auch gleich das erste Auto, ein Opa fährt auf die A4. Zwar nur eine Ausfahrt weiter, aber glücklicherweise liegt kurz davor bereits die erste Raststätte. Die Ausfahrt ist von der Tankstelle bis auf die Autobahn derart begradigt und eingemauert, dass die Autos nur so an mir vorbeibrausen. Nebenan steht ein Lastwagen, bei dem der Fahrer die Räder kontrolliert und dauernd zu mir rüberschaut. Bald darauf sitze ich in der Kabine; der Fahrer hatte in der Nacht einen geplatzten Reifen und musste deshalb auf der Raste übernachten und Reifen wechseln..
Einige Kilometer vor dem Reiskirchener Dreieck, bereits auf der A5, gibt es plötzlich einen lauten Knall und im Seitenspiegel sehe ich nur schwarzen Rauch und irgendwelche Splitter rumfliegen - wieder der Reifen! Der Fahrer und ich fluchen, mit 10kmh schleichen wir auf den nächsten Parkplatz. Dort sitzt eine Schweizer Grossfamilie, die aber keinen Platz mehr für mich hat dafür umso besorgter um mich ist. Kurz darauf sitze ich im Auto eines Betagtenheim”controllers” oder so was, der nach Frankfurt fährt. Eine gute halbe Stunde stehen wir noch im Stau..
A5 - Allein trampende Mädchen
Auf der Raststätte Wetterau stille ich erstmal meinen Hunger. Eine gleichaltrige junge Frau sieht mein Gepäck und spricht mich an. Sie sei auch am trampen und schon “ewig” hier, bestimmt schon 2-3 Stunden. Sie trampt allein und muss in dieselbe Richtung wie ich. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie eine Frau, die alleine reist, so lange stehen bleiben kann. Nun gut, ich will ihr ja nicht die Fahrer wegnehmen (sie spricht Leute direkt an) und laufe deshalb zur Ausfahrt, ohne mich gross nach Kennzeichen umzuschauen. Da mein Weg mich aber direkt an ein Auto mit Berner Kennzeichen hinführt wäre es ja dumm, zu widerstehen, und tatsächlich: Der Fahrer fährt nach Bern und ja klar, ich kann mitfahren! Ich kann mein Glück kaum fassen und schaue mich nach der anderen um. Sie hat auch schon gesehen wie ich mein Gepäck einlade. Natürlich kann sie auch mitfahren.
In Karlsruhe fahren wir kurz runter um sie abzuladen, dann gehts flott weiter bis in die Schweiz. Irgendwo bei Freiburg werde ich von der Schweizer Grossfamilie überholt. Gerne würde ich sie auch wieder überholen und rüberwinken, aber mein Fahrer ist DAS Vorbild im Abstand halten, so dass ich wohl erst eine halbe Stunde nach den andern über die Grenze komme.
Schweiz - Bern vs. Biel
Kurz bevor die A5 nach Biel von der A1 (nach Bern) abgeht, lasse ich mich auf der Raststätte Deitingen aussetzen. Es ist inzwischen 19 Uhr und nicht viel los. Die wenigen Autos fahren alle nach Bern. Ich bin total müde.. Schon nach einer Viertelstunde beschliesse ich deshalb, nach Bern zu fahren. Ein Arzt nimmt mich mit bis zum Bahnhof, wo ich den Zug nach Biel nehme. CHF 7.40 für Gotha-Biel ist vertretbar.. (-:
Biel-Gotha, 29.07.
Schweizer Abenteuer
Morgens gegen 9 Uhr aus dem Haus, 100m Strasse runter, Daumen raus, einsteigen. Ein junger Mann, der zuerst an mir vorbeigefahren war, ist 300m weiter vorne nochmal umgekehrt, hat hinter mir parkiert (!) und lief dann zu mir, um mich mitzunehmen! In Deitingen muss ich schon aussteigen und stelle mich mit Schild an die Ausfahrt. Die parkierenden / tankenden / rastenden Fahrerinnen und Fahrer sind mir zu weit verstreut. Bald hält ein Lieferwagen an, er fahre nach Basel und könne mich auf der Raststätte Pratteln - also kurz vor der Grenze - rauslassen. Perfekt. Leider leider wurde aus der Reisefreude bald ein frustriertes Genervtsein: Der Fahrer zeigt plötzlich auf einen Puma-Store, der in einem Industriegebiet an der Autobahn liegt, fragt, ob ich Zeit habe (Ich: Nein, eigentlich nicht!) und ist auch schon ab der Autobahn gefahren! Er wolle nur kurz in den Laden. Aus nur kurz wird eine halbe Stunde, in der ich mir eine Strategie ausdenke, wie ich noch vor Basel rauskomme. Irgendwie muss ich auf der nächsten “Raststätte” (= WC-Anlage mit Kaffeeautomat) raus. Als wir dann wieder losfahre und ich nur noch sehr kurz angebunden smalltalke, bekommt er plötzlich einen Anruf von seinem Chef und sagt mir dann, leider könne er mich nicht bis Pratteln bringen, ich müsse wohl die nächste raus. Einverstanden!! Ich habe genug von diesem lethargischen Möchtegern-Chauffeur und spreche eine äusserst aktiv-vital wirkende Französin an. Mais bien sur elle peut m’ammener!!
In Pratteln gibt’s die obligatorische letztes-gratis-WC-Pause, bevor ich mich an die Ausfahrt stelle.
A5 Richtung Norden
An der Ausfahrt der Raststätte stehe ich und stehe ich und stehe ich… Nichts ist los an diesem Dienstagvormittag! Nur vollbeladene Familienwohnwagen oder fette Mercedes mit behandschuhten Seniorinnen am Steuer. Nach etwa einer halben Stunde hält ein Auto mit holländischem Kennzeichen. Sie fahren nach Hause und können mich ein gutes Stück die A5 hoch mitnehmen! Der Fahrer ist der Vater, daneben sein Sohn, der etwa gleich alt ist wie ich. Sie waren in den Bergen “spazieren” und sind äusserst nett. Wir diskutieren über Nationalismus, Sozialsysteme, Jugendheime und Studiengänge, und schon muss ich auf der Raststätte Bruchsal vor Heidelberg aussteigen. Dort lädt mich schon bald eine Frau auf, die lustigerweise gerade in Bern war und nun heimfährt. Von Beruf ist sie Polizistin, was die Diskussionen auch spannend macht. Auf der Raste Bergstrasse, zwischen Heidelberg und Darmstadt, muss ich schon wieder raus (aber nicht wegen den Diskussionen). Dann taucht ein komischer Fahrer auf…
A5 - wirrer Ausflug auf die A67
Er hält an, bestätigt, dass er nach Frankfurt fährt und von dort nach Dortmund, so dass ich nach Frankfurt aussteigen kann. Ich steige also ein, doch kurz vor Darmstadt fährt er plötzlich auf die A67 in Richtung Köln! Auf meinen erschreckten Ausruf “Jetzt bin ich falsch!” antwortet er seelenruhig “Also ICH bin richtig”. Das lasse ich mir jedoch nicht bieten und interveniere heftig. Er könne mir doch nicht zuerst zusichern, nach Frankfurt zu fahren, und es dann nicht tun. Er reagiert gereizt und willigt ein, weiter oben über die A3 wieder auf die A5 zu fahren. Als er 300m vor der entscheidenden Verzweigung immer noch bei starkem Verkehr auf der Überholspur fährt, weise ich ihn verzweifelt darauf hin, dass er “hier!! gleich hier!! grad da vorne!!” abbiegen muss, worauf er mich anschnauzt: “Es fahre immer noch ich!”. …
Schlussendlich war alles halb so schlimm, weil er auch brav rüberwechselte. Ich mit der Karte auf dem Beifahrersitz, ihn auf die A5 lotsend…. Am Schluss vertragen wir uns wieder.. auf der Raste Wetterau, kurz nach Frankfurt, trennen sich unsere Wege.
Im Audi in den Osten brausen
In Wetterau stehe ich erstmal ne Weile. Glücklicherweise ist das Wetter gut und mein mp3-Player dabei. Nach einer guten halben Stunde hält überraschend ein teuer aussehender Audi mit Anzug-Typ am Steuer. Ich muss nach Gotha? Er fährt nach Erfurt! Ich kann mein Glück kaum fassen! Wieder mal bestätigt sich eine Tramper-Regel: Lieber einmal länger warten, dafür dann den Longdistance-Joker kriegen. Der Fahrer ist Apotheker und auf der äusserst kurzweiligen Fahrt diskutieren wir über unsere Familien, seinen Beruf, mein Studium, deutsche und Schweizer Politik, Kriminalität und Generika. In Gotha angekommen hat er sogar noch die Zeit, mich eine Viertelstunde weit direkt aufs Festivalgelände zu fahren, wo ich unter dem Staunen vieler Aufbaumitarbeiterinnen und -mitarbeiter aussteige und mir von meinem Fahrer meinen Rucksack aus dem Kofferraum geben lasse… Unglaublich wieder mal!